Warum ich das Verbrennerverbot für richtig halte – Ein Nachruf


Am 16.12.2025 verkündete die EU-Kommission das „Aus vom Aus“ des Verbrennungsmotors. Wieso ich das für eine falsche Entscheidung halte:

Anderswo ist der Drops gelutscht

Opplysningsrådet for Veitrafikken AS. (2. Januar, 2025), via statista

In Norwegen zum Beispiel, was an den oben gezeigten Zulassungszahlen ersichtlich ist. Fast 89% der neu im Jahr 2024 zugelassenen Autos in Norwegen waren rein elektrische Fahrzeuge. Selbst im für Batterien eher suboptimalen, kalten Norden setzt sich die überlegene Technologie durch.

E-Autos sind die überlegene Technologie

wienenergie.at

Betrachtet man die Effizienz der drei maßgeblichen Antriebstechnologien bzw. Energieträger, Strom, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) gibt es nur einen klaren Sieger: Das batterie-elektrische Fahrzeug. Mit einer Effizienz von 73% schlägt es die Energieträger Wasserstoff (22%) und E-Fuels (13%) mit großem Abstand.

E-Autos haben die besseren Fahreigenschaften

schematische Darstellung der elektrischen Renault AmpR Small Plattform, Renault

Wer schon einmal ein E-Auto Probe gefahren ist, wird mir zustimmen. Für alle Anderen die Erklärung: Es gibt kein Turboloch, im Gegenteil, das gesamte Drehmoment steht selbst bei niedrigen Drehzahlen nahezu vollständig zur Verfügung. Das erlaubt es selbst Mittelklassewagen wie dem Tesla Model 3 (in der Variante Performance) Sportwagen-ähnliche Beschleunigungswerte (hier: 3,1s von 0 auf 100 km/h) zu erreichen. Selbst der VW-Konzern erreicht mit dem Curpa Born (in der Variante VZ) beachtliche 5,6s (von 0 auf 100 km/h). Auch ist der Schwerpunkt durch die vergleichsweise schwere Batterie tiefer und besser verteilt. Er liegt eben nicht dort, wo die schweren Verbrennungsmotoren normalerweise verbaut sind.

„Soll doch der Markt regeln, wenn E-Autos doch ach so überlegen sind.“

E-Auto kritiker (beispielhaft)

Würden alle Menschen dem Idealbild des „homo oeconomicus“ gerecht werden, würde der Markt auch regeln. Wie bei den Kartoffeln auch, ist dem aber nicht so.

Wikipedia

Der Legende nach musste Friedrich II. Kartoffelfelder erst von Soldaten bewachen lassen, bis seinen Landsleuten klar geworden ist, dass diese genießbar und damit wertvoll waren.

Der Mensch ist eben kein homo oeconomicus, der ausschließlich rationale, dem Markt folgende Entscheidungen trifft. Er trifft Entscheidungen basierend auf Emotionen, wie die der der:

Definition des Worts Reichweitenangst, Duden

Eine Angst, die schon bei Mittelklassewagen absoluter Blödsinn ist. Egal ob Renault 5 oder VW ID.3, ja selbst der ID.Polo wird (in einer Variante) mehr als 400 km Reichweite haben. Das reicht durch die halbe Republik und mit Zwischenstopps auch nach Italien, Spanien oder Kroatien.

destatis

Für den Alltag reicht es alle mal, wenn es nicht für die Stadt sogar schon Overkill ist. Modelle um die 20.000€ – wie der Leapmotor T03, Dacia Spring oder BYD Dolphin Surf – schaffen alle über 200km, wenn nicht sogar 250km.

„E-Autos sind zu teuer“

Weit verbreiteter Mythos

Der Ökonomie von E-Autos habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Spoiler: Mit der E-Autoprämie rechnet es sich für jeden.

„Ja warum fährst du dann noch einen Verbrenner?“

berechtigter Einwand

Auch hierzu (meinem aktuellen Auto) wird ein Artikel folgen. Lesen Sie derweil doch den Beitrag über mein allererstes Auto.

besagte Pressemitteilung der EU-Kommission

Warum halte ich das „Aus vom Aus“ des Verbrenners dann – trotz allem bisher Gesagten – für falsch?

Spiegel Online

Weil es eine Bevölkerungsgruppe gibt, die ihr Leben sehr weit entfernt vom homo oeconomicus verbringt. Für diese Menschen ist nicht nur ein funktionierender E-Auto-Gebrauchtmarkt essenziell, sondern auch der politische Rahmen. Für mich als Student, der Wirtschaft und Recht als Abiturfach hatte, ist es selbstverständlich Kosten von Handyverträgen oder Autos mit dem Mathematikprogramm Geogebra visuell zu vergleichen. Es durchzurechnen, ob bzw. wann ein E-Auto für mich günstiger ist, als ein Verbrenner.

Für viele Menschen ist das nicht selbstverständlich. Sie werden vom – als Marktinstrument absolut richtigem – steigenden CO2-Preis finanziell zerrieben werden. Etwa, weil sie als Mieter keinen Einfluss auf die Gas- oder Ölheizung ihres Vermieters haben. Oder, weil Ihnen eingetrichtert worden ist, dass E-Autos teuer seien.

geschätzter CO2-Preis des ETS II, Friedrich-Ebert-Stiftung

Bereits bei einem CO2-Preis von 150€ pro Tonne (der sich im unteren Spektrum der Schätzung bewegt), stiege laut Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung der Preis von Benzin um fast 40ct an. Der Iran-Krieg führte zu einer Steigerung von nur etwa 15ct und schon wird das Ende der CO2-Bepreisung von den Freien Wählern als Lösung für den „Preisschock“ vorgeschlagen.

Die Zeit / dpa

Der wahre Preisschock steht uns allen noch bevor. Ein Verbrenner-Aus hätte Planungssicherheit für Alle bedeutet; für die 25% der Bevölkerung ohne Ersparnisse, dass sie sich irgendwann in Zukunft ein E-Auto zulegen werden (müssen), für die Industrie, dass sie ihre Produktion umstellen muss, für die Händler, die Verbrenner irgendwann mit dem Restwert 0 abschreiben werden müssen, …

Für all diese Gruppen wäre ein fixes Verbrenner-Aus wichtig gewesen. Nur für die Konservativen, die sich an ihren Verbrenner klammern als wäre er eine Geliebte, war es problematisch. Sie können jetzt – nach dem „Aus vom Aus“ – der Fata Morgana „E-Fuels“ oder dem Luftschloss „Wasserstoff“ hinterher rennen. Sie tun es auch; wie Lemminge. Statt dem Verbrenner ein würdiges Ende zu gönnen, reiten sie ein totes Pferd.

Hätte die EU-Komission sie doch nur davon abgehalten…


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