Mobilität auf dem Land – Über die Ökonomie von Elektroautos


Wie in mein Micra und Ich beschrieben, hielt mein Nissan Micra nicht ewig. Auf ihn folgte ein älterer Ford Fiesta, der irgendwann geringfügig Lenkflüssigkeit verlor und deshalb ersetzt werden musste. Auf Drängen meines Großvaters, mir dieses Mal „ein gescheites“ Auto zuzulegen – zu dem er auch Geld dazugegeben hat, wurde es mein jetziger Ford Fiesta, Baujahr (BJ) 2019.

Doch rechnet es sich überhaupt noch, einen Verbrenner zu fahren oder wäre ein Elektroauto nicht billiger? Das hier ist Geogebra, ein Mathematikprogramm. Wir betrachten die Kosten von Vergleichsautos als Funktionen von x (Anzahl der Jahre). Wenn eine Kurve oberhalb einer Anderen verläuft, ist das Auto zu diesem x-Wert (Zeitpunkt) in der Vollkostenbetrachtung teurer als das andere Auto.

Legende:
Lila: Renault Twingo, Neuwagen „volle Hütte“ 24.500€
Grün: Leapmotor T03, Neuwagen 20.000€
Blau: Dacia Spring, Neuwagen, Extreme Edition, 18.500€ inkl. Nissanbonus
Orange: Ford Fiesta, gebraucht, BJ 2019, 11.500€
Rot: Ford Fiesta, gebraucht, BJ 2006, 3.500€

Vollkostenrechnung mit Geogebra

Berücksichtigt wurden die Vollkosten, was genau ich darunter verstehe, findet ihr am Ende des Beitrags. Der ältere Ford Fiesta ist anfangs die günstigste Option. Doch bereits nach ca. 2,7 Jahren lohnt sich der Leapmotor T03. Verglichen mit dem neueren Fiesta, lohnt sich der Leapmotor sogar bereits nach knapp 2 Jahren. Selbst der deutlich teurere Renault Twingo in Vollausstattung wird nach 3,7 Jahren billiger als der neuere Fiesta. Der Dacia Spring ist bereits nach nur einem Jahr günstiger als der neuere Fiesta. Mehr als 4,5 Jahre dauert es hingegen, bis sich der Renault Twingo gegenüber dem älteren Fiesta amortisiert hat.

Sobald man 5 Jahre in die Zukunft schaut, ist das Elektroauto also immer die deutlich günstigste Option. Im Kopf überschlagen spart man beim Elektroauto schon durch die Spritkosten und die THG-Prämie (Erklärung siehe unten) über 1.500€ pro Jahr.

Doch hier kommt das aber: Man muss die ca. 20.000€ für ein neues E-Auto erst einmal haben. Natürlich gäbe es auch gebrauchte E-Autos, doch gerade bei den Kleinwagen ist die Auswahl nicht sonderlich groß oder Features wie DC-Schnellladen fehlen (z.B. Renault Twingo 2022). Und eine Batteriemiete (wie etwa beim Renault Zoe) scheidet aus wirtschaftlichen Gründen sofort aus. Der Gebrauchtmarkt für E-Autos ist bei Kleinwagen also noch dürftig. Genau deswegen halte ich das „Aus vom Aus“ des Verbrennungsmotors für falsch und die E-Auto Prämie für richtig.

Trotz E-Auto Prämie gibt es hierzulande genügend Menschen, die sich einen elektrischen Neuwagen nicht leisten können. Sie sind auf einen funktionierenden E-Auto Gebrauchtwagenmarkt angewiesen. Für die Bildung eines solchen Gebrauchtwagenmarktes ist die E-Auto Prämie in jedem Fall hilfreich. Und verglichen mit der vorherigen Förderung gibt es sogar eine soziale Komponente.

Die Frage ist nun, investiere ich das Geld in die Vorteile eines E-Autos oder fahre ich weiter einen Verbrenner und jage damit noch mehr Geld durch den Auspuff? Schade, dass der ID.1 erst in frühestens einem Jahr kommen wird. Bis dahin könnte die E-Auto Prämie vielleicht schon ausgeschöpft sein. Tja, Pech gehabt, VW. Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben. (Es sei denn, man hat mit Übertragungsnetzbetreibern zu tun). Wie meine Entscheidung ausfallen wird, werde ich selbstverständlich berichten.

Vollkosten
Berücksichtigt wurden E-Auto Förderung (5.000€), Kfz-Steuer, Versicherung, 10.000 km Laufleistung pro Jahr, THG-Prämie (bei E-Autos, siehe unten) sowie 40% Restwert bei den E-Autos, 7.500€ Restwert beim neueren Fiesta und 500€ Restwert beim älteren Fiesta. Gerechnet wurde mit einem Strompreis von 28,00 ct pro kWh, 13,5 kWh/100km, 1,85€ pro l Benzin mit 6,5l/100km. Man kann die Schätzung also durchaus als konservativ betrachten. (So wurde etwa die Kfz-Versicherung bei den E-Autos deutlich teurer angesetzt).

THG-Prämie
Vereinfacht gesagt, müssen Unternehmen pro ausgestoßener Tonne CO2 ein Zertifikat erwerben. Da E-Autos verglichen mit Verbrennern CO2 einsparen, werden sie beim Treibhausgas (THG) (Zertifikate)-Handel berücksichtigt und dem Halter eines E-Autos CO2-Zertifikate gutgeschrieben; diese erhält man auf Antrag vom Umweltbundesamt. In der Praxis übernehmen Drittanbieter die Beantragung und den Verkauf der CO2-Zertifikate; man muss nur seine Daten eingeben und nachweisen, dass man Halter eines E-Autos ist. Schon wird die THG Prämie in Höhe von (derzeit bis zu) ca. 300€ ausbezahlt.


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